Blick durch einen Hörsaal

EARA-Workshop: Tierversuche kommunizieren

Wie sie künftig offener und proaktiver über Tierversuche kommunizieren können, konnten Forschende, Tierschutzbeauftragte und Kommunikator*innen bei einem Workshop von EARA diskutieren. Die Veranstaltung mit über 80 Teilnehmenden fand in Kooperation mit dem Max Delbrück Center statt.

„Improving openness in animal research in Germany“ – so war eine englischsprachige Veranstaltung überschrieben, die die European Animal Research Association (EARA) gemeinsam mit Berliner Partnerinstitutionen am 29. Januar an der Charite – Universitätsmedizin in Berlin angeboten hat.

Kirk Leech, Geschäftsführer von EARA, hat über die Bemühungen der Organisation gesprochen, die Transparenz bei Tierversuchen in ganz Europa und darüber hinaus zu fördern. Er betonte, dass „wir nach Innovation streben sollten, aber nach wissenschaftlich getriebener Innovation, nicht nach politisch getriebener Innovation“.

Michael Gotthardt (r.) während der Diskussion mit dem Publikum.

Dr. Andreas Lengeling, Tierschutzbeauftragter bei der Max-Planck-Gesellschaft, sprach das Problem des „Ungleichgewichts bei öffentlich verfügbaren Informationen über Tierversuche“ an und forderte eine nuancierte und genauere Darstellung in der öffentlichen Diskussion.

Dieses Thema griff Wissenschaftsjournalist Sascha Karberg vom Tagesspiegel auf. Er erklärte die Auswahl von Nachrichten in den Redaktionen, insbesondere wenn es um Tierversuche geht, und wie sie menschliche Emotionen und Wahrnehmungen beeinflussen. Er forderte Forschende auf, im Dialog mit der Öffentlichkeit emotionaler und weniger rational zu sein.

Professor Michael Gotthardt vom Max Delbrück Center betonte, dass Tierversuche neben den alternativen Methoden für seine Studien unverzichtbar seien. Er gewährte wertvolle Einblicke in seine Forschung zum Herzversagen.

Unterschiedliche Perspektiven bei der Podiumsdiskussion

Die Podiumsdiskussion, moderiert von Nuno Miguel Gonçalves von EARA, vereinte alle Redner sowie Professorin Christa Thöne-Reineke, Leiterin des Instituts für Tierschutz, Tierverhalten und Labortierkunde an der Freien Universität Berlin (FU). Erörtert wurde vor allem die veterinärmedizinische Perspektive auf Tierversuche für die Verbesserung der Tiergesundheit. Außerdem diskutierten die Teilnehmenden, wie Institutionen Strategien zur Transparenz umsetzen können, um das öffentliche Vertrauen nach negativen Kampagnen wiederherzustellen.

Aus dem Publikum kam der Hinweis, wie wichtig es sei, den Dialog bei unterschiedlichen Ansichten zu entpolitisieren. Das Podium vertrat die Ansicht, dass ein informeller Rahmen der beste Weg sei, um auf beide Seiten eingehen zu können und den menschlichen Zugang zueinander zu ermöglichen. Angesprochen wurden auch potenzielle Risiken, die mit der Beschränkung bestimmter Arten von Forschung einhergehen. Ein Forscher gab zu bedenken, dass so historisch gewachsene wissenschaftliche Voreingenommenheit fortgeführt wird, insbesondere im Hinblick auf Gesundheitsprobleme von Frauen, Minderheiten und kleineren Bevölkerungsgruppen. Sowohl das Publikum als auch das Podium stimmten zu.

Und wie kann die Kommunikation zwischen Journalist*innen und Forschenden verbessert werden? Luft nach oben gibt es insbesondere hinsichtlich der Erreichbarkeit von Forschende für Medienanfragen. Die Bearbeitungszeit sollte sich nach dem sehr schnellen Takt der täglichen Nachrichtenproduktion in den Redaktionen richten.

Dieser Workshop – ähnlich wie andere von EARA in verschiedenen Ländern organisierte Veranstaltungen – soll ein Katalysator für einen kulturellen Wandel sein. Er soll Forschungseinrichtungen dazu inspirieren, die Komplexität der Forschung mit Tieren konstruktiv anzugehen und zu kommunizieren, um einen informierten und transparenteren wissenschaftlichen Diskurs zu fördern.

 

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